5 von 10 Kompetenzen hast du schon, um digital zu unterrichten

Ohjee, das ist mir alles zu viel.

Das schaffe ich nicht! So viele Verordnungen und Abgaben und dann auch noch diese digitale Tafel in meinem Unterricht!

Was ist denn, wenn meine Schüler:innen mehr wissen als ich?

Mir ist das immer so peinlich, wenn im Unterricht die Technik nicht funktioniert!

Klingen deine Ausflüchte, deinen Unterricht digital anzureichern, ähnlich?

Mit dieser Checkliste möchte ich dir zeigen, dass du in vielen medialen Bereichen bereits Kompetenzen hast. Ich möchte dir die Angst nehmen, Medien in deinem Unterricht einzusetzen. Sei motiviert, etwas Neues zu lernen und deine negativen Glaubenssätze über Bord zu werfen.

5 von 10 Kompetenzen hast du schon, um digital zu unterrichten

Teil 1: Folgende 5 Kompetenzen hast du bereits entwickelt - wetten?

1. Kompetenz Schreibprogramm anwenden

Du gestaltest deine Arbeitsblätter an deinem PC. Dh. du kennst dich mit einem Schreibprogramm wie Word, Open Office oder Pages aus. Zumindest bist du so firm in einem Programm, dass du selbst Arbeitsblätter und Klausuren damit erstellst

Du bist in der Lage JPGs einzufügen und zu beschriften, den Text zu formatieren, evtl. eine Kopfzeile und eine Fußzeile einzusetzen. Und ist deine Klausur erstmal fertig konzipiert,

2. Kompetenz unterschiedliche Dateiformate unterscheiden

dann speicherst du diese in einem pdf Dokument ab. 

Du weißt, das pdf-Dokumente zunächst schreibgeschützt sind. Du kennst den Vorteil, dass dein Dokument in jedem pdf-Reader gleich aussieht. 

Du hast wahrscheinlich auch erfahren, dass ein Worddokument auf einem anderen Rechner wieder bearbeitet werden kann, aber die Darstellung meist eine Andere ist. Du hast herausgefunden, dass dies an den Formatierungseinstellungen des Nutzers, sowie an der Programmversion liegt. 

So, oder so ähnlich hast du verschiedenste Erfahrungen mit digitalen Medien gesammelt.

Also, du kennst und nutzt Bilddateien und viele, weitere unterschiedliche Dateiformate, ein wichtiger Bestandteil in der Arbeit mit digitalen Medien.

3. Kompetenz Ordnerstruktur auf deinem PC aufbauen und erhalten

Wenn du Dateien speicherst, dann sicher nicht alle auf deinem digitalen Schreibtisch. Spätestens nach 30 Dateien verlierst du die Übersicht. 

Wenn du verbeamtet bist, kennst du das Leid der Aktendokumentation, dem doppelten Einreichen der Anträge etc. Du wirst hier ein Ordnersystem haben und das wirst du ähnlich auf die Dateistruktur deines PCs übertragen haben.

4. Kompetenz Nutzung von Programmen und weiteren Devices anwenden

Du kannst deinen PC ein- und ausschalten und diverse Programme nutzen. Du schiebst deine Präsentationen für den Unterricht entweder in die Cloud oder nimmst sie auf einem Stick mit. Du kannst deine Präsentation via digitaler Tafel oder Beamer im Unterricht abspielen lassen und damit weiterarbeiten. Banal? Vielleicht..

5. Kompetenz digitale Inhalte kritisch betrachten

Inhalte werden über verschiedenste Wege an uns herangetragen. Zunächst über Radio und Zeitungen, nun für alle Altersgruppen digital via Apps, Social Media, Google und eMails.

Du wirst in der Lage sein, die Inhalte kritisch zu konsumieren und dir auf Basis deiner Einstellungen und Interessen deine eigene Meinung zu bilden. Auch hier versteckt sich Medienkompetenz.

Zwischenstand

Ich bin mir sicher, du hast bei allen fünf Punkten einen Haken machen können. Auch wenn du mit dem Workflow einiger Programme noch nicht zufrieden bist, hier und da die Technik oder dein Verständnis noch zwickt. 

Im Großen und Ganzen bist du fit und sicher im Umgang mit deinem PC und digitalen Inhalten im Netz.

Das ist deine Basis.

Im Umgang mit Dateien, einem Officeprogramm und einem guten Überblick über deinen Workflow weißt du schon sehr viel mehr als viele deiner Schüler:innen. Einen PC einzurichten, ihn zu nutzen, Arbeitsblätter zu erstellen, Ordnung im System zu erschaffen und zu halten, ein BackUp zu erstellen, eMails zu checken – das sind alles Dinge, die du bereits bewältigt hast.

Zudem ist das kritische Konsumieren von Inhalten die Kür, der Anforderungsbereich III. Du bist ausgebildet, eben dieses (in deinen Fächern) zu vermitteln.

Du hast alle Kompetenzen, um deine Medienkompetenz und die deiner Schüler:innen zu entwickeln.

Teil 2: An folgenden 5 Kompetenzen dürfen wir alle noch arbeiten

Deine Basismedienkompetenz steht. Bist du bereit für mehr? Möchtest du dich weiterentwickeln, Neues lernen und mit deinen Schüler:innen auf eine GEMEINSAME Reise gehen?

Medien können so spannend sein! Es gibt bereits so viele, tolle Dinge auf dem Markt.

Ich habe neulich mit meinen Kindern die Originalfilme zu Pipi Langstrumpf gesehen. Die Schüler:innen können heute mit ihren Smartphones bessere Videos drehen und schneiden als diese Kultfilme! Mühevolle Kleinarbeit, die vor 45 Jahren im Studio unter der Lupe gemacht wurde, ist heute nur Klicks entfernt.

Im Folgenden findest du weitere 5 wichtige Punkte, die du entwickeln solltest, wenn du medienkompetent in deinem Unterricht agieren willst und diesen schülerzentriert und langfristig offen gestalten möchtest:

6. Das Schwierigste: Unsere Glaubenssätze

Ich habe keine Zeit. Ich schaffe das nicht. Technik und ich stehen auf dem Kriegsfuß.

Warum diese Ausflüchte? Es dauert nicht lange, Mentimeter als Brainstormrunde einzusetzen. Es ist kein Beinbruch deinen Schüler:innen deine Präsentation auf eurer Schulplattform zur Verfügung zu stellen. Was hält dich auf?

Hält dich vielleicht die Angst auf, dich vor deinen Schüler:innen zu blamieren? Du bist kein Digital Native, vielleicht noch nichtmal ein Millenial (nach 1980) – ist das der Grund?

Oder sträubst du dich einfach davor, dass du dich WEITERBILDEN MUSST. Du bist in deinem Beruf als (verbeamtete) Lehrkraft sowieso schon fern ab der Selbstbestimmung und jetzt auch noch das? FORSCHE NACH, WAS DICH HIER AUFHÄLT. 

Als Gegenstück zu deinen Glaubenssätzen helfen vielleicht folgende Punkte:

  • Digitale Medien sind DAS DING deiner Schüler:innen. Sie sind Digital Natives und kennen es nicht anders. Ganz ehrlich, es ist OK, wenn sie etwas besser wissen als du. Sie beschäftigen sich täglich damit. Hier versteckt sich ein großer Mindset Shift unserer Berufsgruppe: Du hast NICHT immer Recht und du WEISST NICHT ALLES.
  • Deine Schüler:innen sind in unserem Schulsystem ebenfalls fremdbestimmt – hole sie dort ab, wo sie stehen. Sie werden dir dankbar sein, wenn sie ihre Lebenswirklichkeit in deinem Unterricht wiederfinden.
  • Keine Zeit? Suche dir EIN digitales Problem oder Tool pro Halbjahr. Löse es oder bilde dich darin fort. Nutze dein digitales Tool in jedem Unterricht und validiere den Einsatz. Wahrscheinlich brauchst du noch ein paar Jahre bis zur Pension, da werden einige Tools und Skills zusammenkommen.
  • Technik ist Krieg? Es gibt auch in deinem Kollegium hilfsbereite Menschen. Gehe in den Austausch, biete etwas an und zapfe ihr Wissen an.

 

Im Endeffekt kannst nur du selbst bestimmen, in welche Richtung du gehst. Aber sich fortzubilden und über den Tellerrand zu schauen ist ein wichtiger Bestandteil von uns. Wir sind Menschen und wollen uns weiterentwickeln.

7. Kompetenz geeignetes Tool recherchieren

Die Suche nach dem geeigneten digitalen tool für deinen Unterricht … ist komplex.

Der Markt digitaler Tools ist riesig: der Google Play Store und der Spple Store sind voll von Apps. Viele sind kostenlos, haben aber inApp Käufe, zapfen die Daten deiner Schüler:innen an und speichern sie auf Servern außerhalb der EU. Da den Überblick nicht zu verlieren, ist schwer.

,Außerdem: Den didaktischen Mehrwert für deinen Unterricht zu validieren, kostet deine wertvolle Korrekturzeit.

Da kann ich dir nur raten, folge mir auf Instagram und dem #instagramlehrerzimmer. Schaue immer wieder auf meinem Blog vorbei oder abonniere meinen Newsletter

Ich stelle dir nette digitale Tools vor, die du in deinem Unterricht einsetzen kannst. UND gebe dir Inspirationen, wie du damit deine Schüler:innen in den Fokus des Geschehens rückst.

7. Kompetenz Curricularer Inhalt von digitalem Inhalt abgrenzen

Spätestens nach der Einführung des Taschenrechners in der Mittelstufe ist klar, führst du ein digitales Produkt zur Nutzung in deinem Unterricht ein, gibt es Fragen: Fragen zur Nutzung, wiederholte Fragen zur Nutzung, Probleme bei den Einstellungen, beim Suchen und Finden von Modulen etc. – Plane das ein.

Plane also nicht nur den curricularen Inhalt, sondern auch den digitalen Inhalt zur Nutzung deines digitalen Produktes bzw. Tools.

Möchtest du in Musik deine Schüler:innen Stop Motion Videos von Legofiguren machen lassen, die Line Dance tanzen (das habe ich schon gemacht 😉 ), dann stelle dich auf Fragen und Probleme in der Durchführung ein – diese müssen deine Schüler:innen nicht mal als solche erkennen.

Hier bedarf es eines umfangreichen Storyboards, einem geplanten Aufbau einer Bühne, der Herstellung guter Lichtverhältnisse, dem Bau eines Smartphone Halters …. du merkst, das geht nicht mal eben so. Dh. einige Schüler:innen können das, andere benötigen Hilfestellung in der Strukturierung ihres eigenen Prozesses.

8. digitales Tool didaktisch analysieren

Um mit deinen Schüler:innen Stop Motion Videos im Unterricht herzustellen, solltest du selbst vorher ein Stop Motion Video gedreht haben. Du gehst dabei jeden Schritt, den deinen Schüler:innen gehen. Du bemerkst (fast) jede Stolperstelle und kannst sie in deiner Konzeption mit einbeziehen.

Es geht natürlich auch, den Prozess mit deinen Schüler:innen gemeinsam zu gehen, ohne vorher eine didaktische Analyse des Herstellungsprozesses zu machen

Du wirst automatisch zum Lerner und bewegst dich mit deinen Schüler:innen thematisch auf einer Ebene. Führst du dies offenherzig durch, stärkst du die Beziehungsebene

Bei Zeitmangel ist dies eine gute Lösung, sollte aber nicht zur Dauerstrategie werden.

9. Digitalisierung verändert deinen Unterricht

Je nachdem, an welcher Schule du arbeitest, gestaltest du deinen Unterricht lehrerzentriert oder eher schülerzentiert und binnendifferenziert. Du arbeitest geschlossen mit konkreten Stundenzielen oder offen mit Wochen- und Projektzielen. 

Bei der schülerzentrierten, binnendifferenzierten und offenen Variante spielt dir die Digitalisierung deines Unterrichts in die Karten

Denn du kannst deinen Unterricht so gestalten, dass deine Schüler:innen anhand eines Lernpfades auf alle Inhalte zugreifen können und das jederzeit in deinem Unterricht.

Nutze diese Möglichkeit als Chance für dich. Gestaltest du deinen Unterricht lehrerzentriert, stehst du im Fokus des Geschehens. Das ist oft anstrengend. Wie wäre es, wenn deine Schüler:innen genau wüssten, was sie selbst tun müssen, um zum Ziel zu kommen und du nur als Lernbegleiter:in in den Prozess eingreifst?

Der Weg, deinen Unterricht zu digitalisieren, mag steinig sein, aber der Mehrwert zum Ende lohnt sich.

  • Deine Schüler:innen lernen selbst mit digitalen Medien gewinnbringend umzugehen,
  • sie übernehmen selbst Verantwortung für ihren Lernprozess,
  • jede:r ist mit seinem Wissensstand (und evtl. Interessensstand) dort abgeholt, wo sie/er steht
  • und du begleitest diesen Prozess.

→ Dein Lehrkraftleben entspannt sich dadurch!

10. Kompetenzen entwickeln

Die digitale Mühle unserer Bildungswirtschaft steht nicht still! Sie zwingt dich, dich weiterzuentwickeln (WIRKLICH?). 

  • Alle sind bei WhatsApp – bist du nicht bei WhatsApp, bist du raus.
  • Das schöne, dunkelgrüne, gedruckte Klassenbuch wird durch ein schickes iPad ersetzt – und nun? Der Dienstherr möchte, dass du webuntis benutzt, um die Fehltage, Entschuldigungen und Stundeninhalte zu dokumentieren – achja, die Kreidetafel gibt es auch nicht mehr…
  • Lockdown… Und was DU in diesen anderthalb Jahren alles an digitalen Inhalten dazugelernt hast! (hier könntest du selbst einen epischen Blogartikel zu schreiben)

 

Auch wenn du diese Phasen gemeistert hast, kannst du weiterhin deinen Unterricht wie gewohnt gestaltenEs zwingt dich nachhaltig doch niemand, dich weiterzuentwickeln

Ersetze die Collegeblöcke deiner Schüler:innen 1:1 durch Tablets und die Kreidetafel durch eine digitale Tafel und arbeite weiter mit deinen Arbeitsblättern, nur in digitalisierter Form – du kannst die ABs aus den Heften ja scannen.

Aber das ist SO SCHADE!

Ich kann nur dazu aufrufen: Digitalisierung macht Spaß! Ja, da sind noch viele Stolpersteine und ja, das ist viel zusätzlich zum Korrekturhaufen. 

Aber der Mehrwert zahlt sich für alle Beteiligten langfristig aus. 

Entwickle dich weiter, deine Persönlichkeit und deinen Unterricht.

Fazit

Digitalisierung kann zu einem schülerzentrierten Unterricht führen.

Ist deine Schule auf dem Weg Tabletklassen an den Start zu bringen, bleibt dir früher oder später nichts anderes übrig, als dich mit Digitalisierung zu beschäftigen. 

ABER! du musst nicht alles auf einmal machen. Tablets im Unterricht: Ja, Schülerzentrierung: Ja, mehr Verantwortung an deine Schüler:innen abgeben: Ja, aber nicht alles auf einmal – vor allem nicht, wenn du an einer konservativen Schule arbeitest.

Schaue dir deinen Ist-Zustand an:

  • Welche digitalen Medien, mit Gewinn für dich und deinen Unterricht möchtest du nutzen?
  • Wo hakt es noch? Im Workflow in der Klasse, im Workflow zu Hause, technische Probleme in der Schule?
  • Welche bereits erstellten Inhalte kannst du digital so aufbereiten, dass du dich aktiv im Unterricht zurückziehen kannst?
  • Welche Tools und Inhalte interessieren deine Schüler:innen?

 

Formuliere kleine Ziele, die du erreichen möchtest. Du musst nicht von jetzt auf gleich deine komplette Planung und Unterrichtskonzepte der letzten Jahre über den Haufen werfen! Integriere gezielt Neues in deinen Prozess. Sei offen für Neues.

Was soll schon passieren?

Genau, das Tool funktioniert nicht, deine Schüler:innen hängen inhaltlich in der Luft und die Fernsehserie auf Netflix am Abend zuvor wird zum spannenden Gesprächsthema

Also nochmal, was soll schon passieren?

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