So startest du eine nachhaltige Feedback-Kultur in deinem Unterricht

‘Heute schreiben wir einen Test!’

Von jetzt auf gleich breitet sich Panik in deinem Klassenraum aus.

‘Ich habe doch nicht gelernt! – Über was denn überhaupt! – Wie fies, der ist nicht angekündigt!’

So startest du eine nachhaltige Feedback-Kultur in deinem Unterricht

Muss das so sein? Viele meiner Kolleg:innen nutzen Tests, um valide Aussagen über die Mitarbeitsnote zu generieren, aber für Schüler:innen ist es fast das gleiche, wie eine Klassenarbeit.

Wie wäre es mit

'Heute schreiben wir einen Feedback-Test!'

Diese Methode funktioniert so:

  1. Schreibe mit deinen Schüler:innen einen Test, so wie er klassischer weise aus der Schule bekannt ist, aber nimm ihm die Macht und deinen Schüler:innen die Angst.
  2. Wenn der Test fertig geschrieben ist, lass die Schüler:innen den ‘Feedback-Test’ untereinander austauschen und mit dir zusammen an der Tafel den Test der Mitschülerin, des Mitschülers korrigieren. Zeige Ihnen dabei, worauf du in Korrekturen achtest und wie was bewertet wird.
  3. Sammle die Feedback-Tests ein, überprüfe den Feedback-Test UND die Korrektur zu Hause – gib’ ein eigenes ausführliches Feedback und markiere wichtigen Gesprächsstoff.
  4. In deiner Korrekturphase hast du die Möglichkeit Noten zu sammeln. Wenn du dich dafür entscheidest, ist es eine gute Methode den Test UND die Korrektur voneinander getrennt zu bewerten: addiere die Korrekturpunkte zu dem Testergebnis des Korrekturgebenden. So haben deine Schüler:innen die Möglichkeit über eine gute Korrektur weitere Pluspunkte zu sammeln. Aus meiner Erfahrung werden so sehr gute Korrekturen zustande kommen. Aber leider stellen deine Schüler:innen auch die Note statt den Lerninhalt in den Mittelpunkt. Die Frage ist hier wieder, was nachhaltig im Gedächtnis bleibt.
  5. Gib die ‘Feedback-Tests’ zurück und lass sie in Partnerarbeit die Feedbacks besprechen.

 

Dieses Vorgehen scheint komplex, aber diese Herangehensweise ist keine Mehrarbeit für dich:

Vorteile des Feedback-Tests in deinem Unterricht

  • Du besprichst mit deinen Schüler:innen die Korrektur. Für alle Beteiligten ist es gewinnbringend, wenn deine Klasse aktiv mitarbeitet. Dies tun sie, wenn sie selbst korrigieren dürfen! Es ist etwas besonderes, selbst in die Rolle der Lehrkraft zu schlüpfen. Je nach Klasse möchten Sie außerdem eine gute Arbeit an die Mitschüler:innen abgeben. Und – wenn du Noten (an die Korrekteure) vergibst – nutzen sie die Chance für Bonuspunkte.
  • Die Schüler:innen beschäftigen sich dreimal intensiv mit dem Inhalt – beim Test selbst, bei der Korrektur und im Feedback Gespräch. Wenn ich einen klassischen Test oder eine Klassenarbeit mit Note zurückgebe, ist das wichtigste die Note und nicht der Inhalt. Die von mir geforderte Korrektur wird mehr oder weniger lieblos gemacht, das Wissen fällt gefühlt von meinen Schüler:innen ab und alle erbarmen sich der neuen Inhalte aus dem Curriculum.
  • Du siehst in deiner Korrekturphase, was alle Schüler:innen bereits verstanden haben und wo noch Lücken sind – mehr als in einem klassischem Test. Denn ein Lösungsweg ist nicht immer einheitlich (zum Glück). Die Schüler:innen müssen sich bei der Korrektur in den Gedankengang der Mitschülerin oder des Mitschülers versetzen. An der Korrektur siehst du sofort, ob sie oder er den Gedankengang nachvollzogen und den Fehler in der Bearbeitung gefunden hat oder nicht. Markiere dies in deiner Korrektur, denn es sollte Thema des Feedback Gesprächs sein – FEHLER sind HELFER – aus ihnen lernen wir.
  • Du musst die Korrektur nur noch überfliegen, denn deine Schüler:innen haben bereits die meiste Arbeit gemacht. Das ist nicht zu unterschätzen.

Etabliere eine Feedback-Kultur in deinem Unterricht.

Feedback-Kultur ist ein Begriff aus der Wirtschaft. Es geht darum, dass sich Angestellte über alle Ebenen hinweg ein gewinnbringendes Feedback über Leistung und Verhalten geben. Zuerst wird etwas positives erwähnt und sogenannte Fehler als konstruktive Kritik formuliert. 

Das Feedback ist eine Quelle des gegenseitigen Verständnisses und Respekts, es wird eine Lernende-Kultur entwickelt, es beugt Stress und Konflikten vor und erhöht die Zufriedenheit – wenn ein Feedback gewinnbringend und regelmäßig durchgeführt wird. Einen guten Artikel dazu findest du hier.

Für dich in deinem Unterricht gilt folgendes: Du trittst bei diesem Prozess als Lehrkraft immer weiter in den Hintergrund. Je mehr deine Schüler:innen ein Verständnis von Korrektur und dem Hineindenken in andere Gedankengänge haben, desto mehr kannst du dich zurücknehmen. 

Dein Unterricht wird schülerzentriert. Nach einiger Zeit könntest du deine Schüler:innen sich gegenseitig bewerten lassen und mit deinem Segen (einer Unterschrift, denn du bist immer noch die Lehrkraft in diesem Gefüge) diese Note in deine Bewertung übernehmen.

Du überträgst deinen Schüler:innen ein wichtiges Instrument: Verantwortung! Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess, für sich und für die Gruppe. Aber das ist nur möglich, wenn du regelmäßiges Feedback durchführst.

Weitere Feedback Methoden

Wird an deiner Schule regelmäßig Feedback eingeholt? Von allen Beteiligten und nicht nur von Direktor:in zu den Lehrkräften?

Wenn du die Ideen, Bedenken und Wünsche deiner Schüler:innen anhörst, Ernst nimmst und in deinen zukünftigen Unterricht integrierst, stellst du ein elementares Vertrauens- und Beziehungsverhältnis her.

Hier ein Auszug bewährter Feedback Methoden aus meinem Unterricht:

FadenkreuzFeedback

Die Fadenkreuz – Methode lohnt sich als aktive Methode nach einem Themenkomplex oder einer Unterrichtseinheit

Zeichne einen großen Kreis auf Euer Aktivboard und im Inneren ein weiteren Kreis. Viertel den Kreis parallel zu den Rändern des Boards, sodass ein ‘Fadenkreuz entsteht. In die vier Unterteilungen schreibst du die Inhalte zu denen deine Schüler:innen mit einer Markierung Stellungen nehmen sollen, 

z.B.: Ich bin in der Lage einem Nichtiwissenden die Inhalte zu erklären. Die Methoden die ich anwenden durfte fand ich spannend. Meine Gruppe hat effektiv und zielführend gearbeitet. Ich wünsche mir mehr solche Projektphasen. 

Du kannst den Kreis auch mehrmals teilen, 5teln, 6teln, je nachdem, welches Feedback dich als Lehrkraft interessiert. 

Die Schüler:innen kommen nun nacheinander nach vorne und positionieren pro Viertel einen Punkt, je näher sie den Punkt zur Mitte setzen desto eher ist die Antwort positiv. 

Der Vorteil dieser Methode ist, du siehst auf einen Blick was du verbessern und beibehalten kannst. Plane für dieses Feedback eine halbe Stunde ein. Denn du musst erst die Verfahrensweise beschreiben und alle deine Schüler:innen nach vorne kommen lassen. 

Eine weitere Möglichkeit ist, das Fadenkreuz sichtbar auf einem Plakat im Raum hängen zu lassen, sodass sie am Ende der Arbeitsphase eine Positionierung vornehmen können.

persönlicheFeedbackBriefe

Möchtest du ein persönlicheres Feedback erhalten, lass deine Schüler:innen anonyme Feedback-Briefe schreiben. Überlege dir vorher Fragen, die du gerne beantwortet hättest und lass sie dir schriftlich beantworten. 

Dies geht natürlich nicht nur von den Schüler:innen zur Lehrkraft, sondern die Schüler:innen können sich auch untereinander Feedback-Briefe schreiben.

Nachhaltiges Feedback als Start in den offenen Unterricht.

Verständnis, Respekt, beugt Stress und Konflikten vor, Verantwortung und vor allem Lernende Kultur sind Begriffe, die auch den offenen Unterricht charakterisieren

Etablierst du eine Feedback-Kultur in deinem Unterricht nimmst du deine Schüler:innen Ernst und integrierst ihre Ideen und Anmerkungen in deinen Unterricht. Der Schritt mit deinen Schüler:innen zusammen eine gemeinsame Lernende-Kultur zu leben ist klein.

Folgende zwei Glaubenssätze musst du für dich aufbrechen

Kritik ist unangenehm. Ich möchte keine Kritik bekommen.

Ja das stimmt. Aber Kritik ist nur unangenehm, wenn du sie zu persönlich nimmst und wenn sie persönlich formuliert wird. Kritik ist unangenehm, wenn du sie nicht als Chance für Wachstum siehst, sondern als nicht zu ändernden Ist-Zustand.

Etabliere eine wertschätzende Feedback Kultur, stellt gemeinsam Regeln auf. Z.B. nenne immer erst etwas Positives. Statt ‘falsch’ zu sagen oder zu schreiben, sage ‘Verbesserungsvorschlag’. Fokussiere dich bei den Verbesserungsvorschlägen auf das Wesentliche.

Ich bin die Lehrkraft und gebe den Ton an.

Etablierst du eine Feedback Kultur und stellst deinen Unterrichtsverlauf zum Feedback frei, werden von deinen Schüler:innen Verbesserungsvorschläge für deinen Unterricht kommen. Wenn du das Feedback Ernst nimmst, wirst du irgendwann deinen Unterricht mehr nach ihren Wünschen ausrichten (sofern es dein Curriculum erlaubt). Das heißt, der Unterricht wird auf Dauer im gemeinsamen Konsens ablaufen. Die Angst vor Kontroll- und Autoritätsverlust kann bestehen.

Siehe das Feedback deiner Schüler:innen als Fortbildung, als Weiterentwicklung deines Unterrichts und als positiven Beziehungsaufbau. Feedback in deine Planung zu integrieren, bedeutet nicht deine Stellung als Lehrkraft abzugeben, sondern dich selbst als Lernbegleiter auf Augenhöhe mit deinen Schüler:innen zu positionieren. Du respektierst ihre Wünsche. Und sie werden dich weiterhin als Lehrkraft respektieren.

Du respektierst ihre Wünsche. Und sie werden dich weiterhin als Lehrkraft respektieren.

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